Erfahren Sie, warum sich Zahnfleisch vergrößern kann, welche Rolle Medikamente und Mundhygiene spielen und wann eine zahnärztliche Untersuchung sinnvoll ist.
Vielleicht haben Sie beim Zähneputzen bemerkt, dass Ihr Zahnfleisch stärker hervortritt als früher, einen größeren Teil der Zähne bedeckt oder besonders zwischen den Frontzähnen dicker geworden ist. Der erste Gedanke lautet häufig: „Mein Zahnfleisch ist geschwollen.“ Doch nicht jede solche Veränderung ist eine vorübergehende Schwellung, die nach einigen Tagen wieder verschwindet. Manchmal handelt es sich um eine Zahnfleischvergrößerung, bei der das Zahnfleischgewebe an Volumen zunimmt.
Für eine Zahnfleischvergrößerung gibt es nicht nur eine einzige Ursache. Ein häufiger Auslöser ist dentale Plaque, also ein klebriger Belag aus Bakterien, der sich kontinuierlich auf den Zähnen bildet. Wird dieser Belag insbesondere zwischen den Zähnen und am Zahnfleischrand nicht ausreichend entfernt, kann sich das Zahnfleisch röten, anschwellen und beim Zähneputzen bluten. Bleibt die Entzündung über längere Zeit bestehen, kann das Gewebe zunehmend verdickt und vergrößert erscheinen.
Besonders deutlich kann dies werden, wenn die tägliche Mundhygiene erschwert ist. Ein gutes Beispiel ist eine kieferorthopädische Behandlung mit einer festen Zahnspange. Rund um Brackets und Drähte kann sich Plaque leichter ansammeln, während die Reinigung der Zahnzwischenräume aufwendiger wird. Ist die Mundhygiene nicht ausreichend, kann sich insbesondere das Zahnfleisch zwischen den Zähnen mit der Zeit deutlich vergrößern.
Auch bestimmte Medikamente können eine Zahnfleischvergrößerung begünstigen. Dazu gehören einige Kalziumkanalblocker, die bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden, bestimmte Antikonvulsiva zur Behandlung von Epilepsie sowie einige immunsuppressive Medikamente nach Organtransplantationen. Nifedipin, Amlodipin, Phenytoin und Ciclosporin gehören zu den Wirkstoffen, die in diesem Zusammenhang häufig untersucht werden. Allerdings entwickelt nicht jeder Patient, der diese Medikamente einnimmt, eine Zahnfleischvergrößerung. Individuelle Veranlagung, Mundhygiene, Medikament und weitere Faktoren können das Risiko beeinflussen.
Besonders wichtig: Setzen Sie ein verschriebenes Medikament aufgrund einer Zahnfleischveränderung niemals eigenständig ab und verändern Sie auch nicht die Dosierung. Dies kann insbesondere bei Medikamenten gegen Bluthochdruck oder Epilepsie sowie nach einer Organtransplantation gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Falls erforderlich, kann Ihr Zahnarzt gemeinsam mit dem behandelnden Arzt prüfen, ob eine alternative Medikation infrage kommt.
Anfangs wirkt eine Zahnfleischvergrößerung möglicherweise hauptsächlich wie ein ästhetisches Problem. Wenn das vergrößerte Gewebe jedoch Teile der Zähne bedeckt, werden Zähneputzen und die Reinigung der Zahnzwischenräume schwieriger. Dadurch kann sich wiederum mehr Plaque ansammeln, die die Zahnfleischentzündung zusätzlich verstärkt. So kann ein Kreislauf entstehen, durch den sich das Problem weiter verschlimmert. Bei ausgeprägten Fällen können sogar das Kauen, Sprechen oder die tägliche Mundhygiene beeinträchtigt werden.
Ein kurzer Selbstcheck: Betrachten Sie Ihr Zahnfleisch im Spiegel, insbesondere im Bereich der Frontzähne. Deutlich verdicktes Zahnfleisch, Gewebe, das zunehmend die Zahnoberflächen bedeckt, wiederkehrende Blutungen beim Zähneputzen, Rötungen oder schwer zu reinigende Bereiche sollten zahnärztlich beurteilt werden. Allein anhand des Aussehens lässt sich jedoch nicht zuverlässig feststellen, ob eine Entzündung, ein Medikament oder eine andere Ursache dahintersteckt.
Die Behandlung beginnt nicht automatisch mit einer operativen Entfernung des überschüssigen Gewebes. Zunächst werden in der Regel Plaque und Zahnstein kontrolliert beziehungsweise entfernt, eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt und mögliche Schwachstellen der täglichen Mundhygiene verbessert. Bei medikamentenbedingten Fällen kann außerdem gemeinsam mit dem behandelnden Arzt geprüft werden, ob die aktuelle Medikation angepasst werden kann.
Bleibt überschüssiges Zahnfleisch trotz dieser Maßnahmen bestehen und erschwert es die Reinigung, das Kauen oder beeinträchtigt es die Ästhetik deutlich, kann eine parodontale Operation sinnvoll sein. Eine mögliche Behandlung ist die Gingivektomie, bei der überschüssiges Zahnfleischgewebe kontrolliert entfernt wird. Entscheidend ist jedoch auch hier die Behandlung der Ursache. Bleiben Plaqueansammlungen oder medikamentöse Einflussfaktoren bestehen, kann die Zahnfleischvergrößerung erneut auftreten.
Wenn Ihr Zahnfleisch nicht nur seit einigen Tagen, sondern bereits seit mehreren Wochen deutlich größer erscheint oder zunehmend Teile Ihrer Zähne bedeckt, sollten Sie nicht versuchen, das Problem durch stärkeres Zähneputzen zu lösen. Vereinbaren Sie eine Untersuchung bei Ihrem Zahnarzt oder einem Fachzahnarzt für Parodontologie. Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, bringen Sie am besten eine aktuelle Medikamentenliste mit. Durch eine gezielte parodontale Untersuchung lässt sich die Ursache bestimmen und die passende Behandlung planen – von professioneller Reinigung und verbesserter Mundhygiene bis hin zur Überprüfung der Medikation oder, wenn erforderlich, einer chirurgischen Behandlung.
Yonca Poliklinik für Mund- und Zahngesundheit